Frieda

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Ich bin Frieda Dill, geboren 31.10.1942 in Turkmenistan. 1991 sind wir nach Deutschland eingereist.
Ich bin in einer christlichen und gläubigen Familie als ein kleines Kind getauft worden (im evangelisch-lutherischen Bekenntnis).
Meine lieben Eltern haben mich christlich und im Glauben an Jesus Christus erzogen. Bis jetzt erinnere ich mich an die vielen gesegneten Abende, an denen wir zusammen gesungen, in der Bibel gelesen und gebetet haben (das Vaterunser).

Der Aufbruch zu tieferem Glauben kam, als mein Großvater, Prediger des Evangeliums, zu uns gekommen war. Da durfte ich die Versammlungen besuchen, in denen mein Großvater Gottes Wort gepredigt hat, und die Gebetsgemeinschaften, in denen die Geschwister der Gemeinde frei gebetet haben. In dieser schweren Zeit, in der Christen in der UdSSR verfolgt wurden, hat der Großvater die Menschen zum Glauben an Jesus Christus und zur Bekehrung aufgerufen. Viele haben sich auch bekehrt. Auf einmal hat der Herr Jesus auch meine sündige Natur aufgedeckt. Mit etwa 14 Jahren habe ich mein Leben dem Herrn Jesus anvertraut. Vorher habe ich gelogen, war den Eltern ungehorsam. Nachdem ich dem Herrn meine Schuld bekannt hatte und, dass ich ganz und gar verloren bin und, dass nur der Herr Jesus mich heilen kann, wurde ich ein ganz anderer Mensch: demütig, zurückhaltend und den Eltern gegenüber lieb und treu.

Mit 14 Jahren wurde ich mit einer Gruppe von Kindern konfirmiert. Die Vorbereitung zur Konfirmation war eine gesegnete Zeit. Da hat uns der Großvater viel aus der Bibel vorgelesen und erklärt. Wir mussten auch manches aus der Bibel auswendig lernen. Er hat uns den Weg zum Heil durch Jesu Leiden, Tod und Auferstehung gezeigt. Und er hat uns den Plan Gottes – die Rettung der Menschen durch den Herrn Jesus Christus – erklärt und uns zur Buße geleitet. Den ersten Kelch und das Brot habe ich mit Tränen der Buße empfangen. Den Bund, den der Herr Jesus mit mir beschlossen hatte, vergesse ich nie. Es war eine Freude, die nicht zu beschreiben ist. Wir haben zu Hause den Glauben aufrecht erhalten, viel gesungen und gebetet.
Mit 22 Jahren heiratete ich und bin mit meinem Mann umgezogen, etwa 400 km von zu Hause entfernt. Ich bin in die Glaubenswüste gegangen. Keine Gemeinschaft mit Gläubigen, was dazu führte, dass ich mich mehr um weltliche Dinge gekümmert habe: Arbeit, Karriere, Kinder und Sorgen, über die Runden zu kommen. Diese Kälte im Glauben hat mich soweit geführt, dass ich, nachdem ich die ersten zwei Kinder hatte, die zwei folgenden Schwangerschaften abgebrochen habe. Darüber habe ich mit niemandem gesprochen und den Rat nicht beim Herrn gesucht. Aber mein Gewissen hat mich nachher sehr geplagt und ich habe es zutiefst bereut. Der Herr hat mir nachher doch noch zwei gesunde Kinder geschenkt. Der Herr war immer gnädig mit mir.

Kurz danach im Jahr 1979 hatte mein Mann einen schweren Verkehrsunfall. Es sah so aus, dass er seine Arbeit verliert. Und was wird aus uns mit unseren Kindern? Die waren alle noch so klein. Da habe ich zum Herrn gerufen. Meine ganze Verlogenheit habe ich bei ihm bekannt und wieder um Vergebung gebeten. Ich habe gerungen und gebetet und gefragt, ob der Herr nicht müde mit mir ist, mir zu vergeben. Diese Nacht steht noch vor meinen Augen. Die Kinder und der Victor schliefen, nur ich hatte keine Ruhe und ich habe mich beschuldigt, dass ich den Herrn vergessen hatte und ohne seine Hilfe mein Leben meistern wollte. In dieser Nacht hat der Herr die ganze Last und die Sorgen von mir genommen und ich durfte erfahren, dass der Herr Jesus mich nicht verlassen und nicht vergessen hat. Er ist mir immer nachgegangen, um mich zu retten. Er hat mich wieder zum Leben im Glauben gebracht. Und später hatte mein Mann eine Arbeit und die Familie war versorgt. Zu Hause habe ich angefangen, mit den Kindern die Geschichten der Bibel zu lesen und auf russisch zu erklären, aber nicht regelmäßig, es fehlten mir die Zeit, Weisheit und Kraft. Mein Gebetsleben und Bibellesen waren und sind mein Leben, aber die Kinder habe ich zu wenig davon gelehrt. Es fehlte auch die Gemeinschaft der Gläubigen.
Hier in Deutschland sind wir gleich zur evangelischen Christuskirche in Rödental gegangen und besuchten die Bibelstunde. Es war eine gesegnete Zeit, aber es fehlte immer etwas – die Versammlungen, die ich mit meinem Großvater erlebt hatte.
2002 besuchten wir fast ein Jahr die freikirchliche Gemeinschaft am Schillerplatz in Coburg. Dann erkrankte meine Schwiegermutter, die ich rund um die Uhr betreuen und pflegen musste. Ich konnte die Kirche nicht besuchen.
Durch unsere Tochter Irma sind wir hier. Und ich danke unserem Herrn, dass er den Bund, den er mit mir geschlossen hat, nicht gebrochen hat, sondern immer mit mir war. Er hat mich im Glauben erhalten und durch die Höhen und Tiefen des Lebens den Glauben gestärkt. Alle Gebete und Fürbitten für die Familien meiner Kinder, für die Kinder, die auf die schiefe Bahn geraten waren, hat der Herr Jesus erhört, hat geholfen und geheilt. Aber ich habe noch nicht getan, was der Herr von mir erwartet.
Wir haben einen großen und herrlichen König und ihm möchte ich dienen und seinem Befehl, mich taufen zu lassen – das Geschenk der Gnade – mit Freuden anzunehmen und ihm zu folgen. Denn unser Herr hat gesagt: „Siehe, ich mache alles neu.“ Mit großem Vertrauen tauche ich mich in diese Flut der Gnade hinein und lasse den Herrn Jesus Christus über mein Leben, Denken und Reden walten.

Schuld und Strafe sind erlassen,
Gott erbarmt sich über mich.
Dies Wort darf ich Sünder fassen
und mein Glaube freuet sich.
Lobe Gott befreite Seele,
diese gab ist gar so groß.
Seine gnädigen Befehle
machen mich von Ketten los.
Amen.

(Zeugnis anlässlich von Friedas Taufe)